Taj Mahal!

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taj mahalNachdem ich Neu Delhi und Jaipur zu Beginn meiner Indienreise besucht habe, fehlt nur noch Agra um das Goldene Dreieck zu komplettieren. Ich verlasse den Bundesstaat Rajasthan und komme in den angrenzenden Bundesstaat Uttar Pradesh (kurz: UP).

Agra, das 200km südöstlich von Neu Delhi liegt, war im 16./17. Jahrhundert unter den damaligen Mogulherrschern zweitweise Hauptstadt. Hauptanziehungspunkt in Agra ist zweifelsohne das Taj Mahal, das am Rande des Flusses Yamuna die Silhouette der Stadt dominiert.

Ich steige in Taj Ganj ab. Das chaotische Viertel drängt sich mit den engen Gassen und zahllosen billigen Absteigen um die großzügige Anlage, in der das Taj Mahal steht. Von der Dachterrasse meiner Unterkunft bekomme ich einen ersten Vorgeschmack.Blick Dachterasse – Taj Mahal

Es ist nach meiner Ankunft erst 10 Uhr früh und andere Reisende kehren gerade von ihrer Besichtigung des Taj Mahal zurück. Ich folge den Empfehlungen und nehme mir dieses Highlight für den nächsten Tag – zum Sonnenaufgang – vor. Ein weiterer Anziehungspunkt (und ebenfalls Weltkulturerbe) ist das rote Fort von Agra. Dieses war lange Zeit Sitz der Mogulherrscher und ist größer als das rote Fort in Delhi. Es liegt nur wenige Kilometer flussaufwärts vom Taj Mahal. Die zusätzliche Perspektive lässt meine Vorfreude weiter steigen.
Audienzhalle im roten Fort, Agra

Audienzhalle im roten Fort, Agra

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Wie beim späteren Besuch des Taj Mahals fallen die Massen an Touristen auf. Ganze Busladungen mit Reisegruppen aller Altersklassen und Nationalitäten. Entsprechend hartnächtig und zahlreich sind Schlepper und Händler, von denen ich nach drei Wochen Indien aber nicht mehr zu beeindrucken bin.

Am Nachmittag habe ich Zeit eine weitere Moschee zu besuchen. Ich verlaufe mich bereitwillig in den geschäftigen Straßen des Kinari Bazaars. Bald bin ich der einzige Ausländer weit und breit und werde aus allen Richtungen neugierig beäugt. Kaum vorstellbar, dass nicht weit entfernt entlang der Hauptstraße Busse über hunderte Meter am Bordstein parken, um ihre Reisenden zum nächsten “Indien Must-See” zu fahren. Ich lasse mich von einem Tuktuk-Fahrer aus meiner Orientierungslosigkeit befreien und durch den irren Verkehr zur anderen Seite des heiligen Yamuna-Flusses bringen.

Die Zeit vor Sonnenuntergang ist ausreichend für einen Besuch bei Itmad-ud-Daulah. Das Grabmahl eines geachteten Ministers wurde früher als Taj Mahal gebaut und hat einige Parallelen. Im Sinne der eindeutigeren Benennung gegenüber Taxifahrern und zur Steigerung der Popularität des im Vergleich zum Nachfolger bescheidenen Mausoleums wird es auch Baby Taj genannt.

Baby Taj

Auf der selben Flussseite direkt gegenüber vom Taj Mahal genieße ich zum Sonnenuntergang den Ausblick auf die Rückseite des Taj Mahal, wo sich die letzten der bis zu 40.000 täglichen Besucher um das Bauwerk schieben.

Taj Mahal, Sonnenuntergang, Agra

Mein Wecker klingelt früh am nächsten Morgen. Der Einlass am Taj Mahal beginnt gegen 06:30, aber ich erwarte lange Warteschlangen und möchte früher dort sein. Das Eintrittsticket ist mit 750 Rupien (knapp 10 EUR) das teuerste, das ich in Indien lösen muss.

Beim Einlass wird mein Rucksack durchsucht. Gegenstände wie Spielkarten, Notizblöcke – angeblich auch Lonely Planet-Reiseführer – dürfen aus unerfindlichen Gründen nicht mit in den hoch ummauerten Bereich gebracht werden. Ich habe keinen dieser Gegenstände dabei oder zumindest erregen mein Stefan Loose-Reiseführer und mein Moleskine-Notizbuch kein Aufsehen. Ich habe mir angewöhnt auf Fragen mit einem folgsam klingenden “Yes Sir” oder “Yes Ma’am” zu antworten und ein möglichst strahlendes Lächeln aufzusetzen. Das muss ich mir während meines einjährigen High-School-Aufenthalts in Texas eingeprägt haben. Ich bilde mir ein aufgrund dessen mit etwas mehr Wohlwollen behandelt zu werden.

Im Dämmerlicht der aufgehenden Sonne bertrete ich den Vorhof Chowk-i-Jilo-Khana. Durch den permanent über der Stadt hängenden Smog ist die Szene in diffuses Licht getaucht. Durch das Haupttor – über die Köpfe der hereinströmenden Besucher hinweg – kann ich das Taj Mahal erspähen.

Taj Mahal am Morgen

Das Taj Mahal ist ein Mausoleum, das Shah Jahan nach dem Tod seiner Lieblingsfrau, der “Mumtaz Mahal” in 21 Jahren Bauzeit (1632-1653) erbauen lies. Rund 20.000 Arbeitskräfte waren beteiligt. In den Marmor sind rund um das Gebäude Halbedelsteine eingelassen. Die Intarsien zeigen Koranverse und komplexe Blumenmuster. Erst aus der Nähe lassen sich die einzelnen Steine ausmachen. Aus größerer Entfernung sehen die bunten Muster wie aufgemalt aus. Das Taj Mahal mit seinen vier schlanken Minaretten sieht es von allen vier Seiten nahezu gleich aus. Aus jeder Perspektive kann das Bauwerk den Betrachter verzaubern. In der zentralen Spiegelachse des Bauwerks und der gesamten Anlage liegt Mumtaz Mahals Grab – daneben das Grab Shah Jahans. Nach dem Durchschreiten des Haupttors bleibe ich völlig eingenommen auf der Plattform gegenüber dem Mausoleum eine Weile stehen. Die aufgehende Sonne veranstaltet indes ihr Farbenspiel auf der Marmoroberfläche des Tahj Mahals. Ich nehme erstmals einen Guide in Anspruch, dem ich meine Kamera überlasse. Taj Mahal, Agra Taj Mahal, Agra Taj Mahal, Agra

Nach der rund einstündigen Führung erkunde ich alleine die weitläufe Anlage. Während Inder einmal um den kompletten Sockel laufen müssen, dürfen Ausländer direkt auf den Sockel zum Eingang steigen. Mein Guide hatte mich zu diesem schnelleren Zugang gelotst – als ob es von Vorteil sei möglichst schnell durchzukommen. Ich genieße es bei meiner zweiten Runde den längeren Weg fast ausschließlich mit Indern zu gehen, die selbst hier die Mehrheit der Besucher ausmachen.IMG_3057 IMG_3076
Frauen in Sari-Trachten

Frauen in Sari-Trachten

Taj Mahal
Koranverse über den Toren des Taj Mahals

Koranverse über den Toren des Taj Mahals
Marmorreliefs mit Intarsienbändern

Marmorreliefs mit Intarsienbändern
Intarsien aus Halbedelsteinen am Taj Mahal

Intarsien aus Halbedelsteinen am Taj Mahal

Es ist erst später Vormittag als ich das Taj Mahal verlasse. Ich fahre mit dem öffentlichen Bus eine Stunde nach Fatehpur Sikri.

Fatehpur Sikri war unter Großmogul Akbar zwischen 1569 und 1585 Reichshauptstadt. Bereits einige Jahre später wurde Fatehpur Sikri verlassen und Agra die neue Hauptstadt. Geblieben ist ein riesiger Palastkomplex mit vielen Gebäuden aus rotem Sandstein. Da ich alleine unterwegs bin, gönne ich mir den Audio-Guide.

An das Gelände grenzt eine riesige Freitagsmoschee (Jama Masjid). Von dem Dorf Fatehpur Sikri, das unterhalb des Palastkomplexes liegt, ist die große Pforte mit der eindrucksvollen Treppe zu sehen.Jama Masjid, Fatehpur Sikri
Noch ein Foto vor dem Erklimmen der Stufen

Noch ein Foto vor dem Erklimmen der Stufen
Ziegen auf den Stufen zur Jama Masjid

Ziegen auf den Stufen zur Jama Masjid

Innerhalb der Moscheemauern liegt außerdem das Grab eines islamischen Heiligen. Das Grabmal ist kunstvoll mit Perlmutt besetzt und das marmorne Gitterwerk um den Innenraum besonders prachtvoll.Fatehpur Sikri, Agra Fatehpur Sikri, Agra
Filigranes Marmorgitter, Fatehpur Sikri

Filigranes Marmorgitter

Auch wenn die Anziehungskraft des Taj Mahal die Stadt mit Touristen überflutet, bleibt der Zauber, der von diesem Bauwerk ausgeht, ungebrochen. Ein unvergessliches Erlebnis!

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